Paper of the Quarter

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Assoziationen zwischen sozialen Determinanten und dem Risiko von Pflegebedürftigkeit

Alice Schneider, Stefan Blüher, Ulrike Grittner, Verena Anton, Elke Schaeffner, Natalie Ebert, Olga Jakob, Peter Martus, Adelheid Kuhlmey, Volker Wenning & Susanne Schnitzer

Is there an association between social determinants and care dependency risk? A multi‐state model analysis of a longitudinal study

Res Nurs Health. 2020 Jun;43(3):230-240. doi: 10.1002/nur.22022.

 

Über den Zusammenhang zwischen Krankheiten und funktionalen Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit ist viel geforscht worden. Die Rolle von sozialen Determinanten wie Partnerschaft, Bildung, Ein­kommen und Geschlecht ist aber bislang nicht gut untersucht. Das Ziel der Studie war die Untersuchung des Zusammenhangs dieser sozialen Determinanten mit dem Eintritt bzw.  dem Fortschreiten von Pflege­bedürftigkeit im Sinne einer Einstufung nach SGB (Sozialgesetzbuch) XI.  Die Daten stammen aus der Berli­ner Initiativ-Studie, einer populationsbasierten Kohortenstudie von 2069 älteren Berlinern und Berlinerinnen. Multi-State Zeit-Ereignis-Regressions­modelle wurden für die statistischen Modelle verwendet, da diese parallel die Ereigniszeit verschiedener Ereignisse (Pflegeeintritt, Progression) berücksichtigen können.

Während der Studienzeit von im Median 5 Jahren änderte sich bei mehr als einem Viertel der Teilnehmer*innen der Pflegestatus. Insbesondere Teil­nehmer*innen ohne Partner*in hatten ein höheres Risiko als Teilnehmer*innen mit Partner*in eine Pflegestufe zu bekommen (Hazard Ratio, HR: 1.24, 95%KI, Konfidenzintervall: 1.02-1.51). Nach Ad­justierung für weitere Kovariablen war dieser Effekt allerdings nicht mehr so deutlich (HR: 1.19, 95%KI: 0.79-1.79). Bei der Progression von einer niedrigeren zu einer höheren Pflegestufe spielte der Partnerschaftsstatus dagegen keine Rolle. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere bei einer beginnenden Pflege­be­dürf­tigkeit, soziale Beziehungen wie Partnerschaften einen Eintritt in die institutionelle Pflegehilfe verzögern können.

Alice Schneider

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG Statistische Bioinformatik am Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie (iBikE) der Charité. Biostatistikerin am Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie der Charité führte die statistischen Analysen für diese Studie durch.

PD Dr. phil. Ulrike Grittner

Co-Arbeitsgruppenleiterin der AG Beobachtungsstudien und Registerdaten am Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie der Charité.

Dr. rer. pol. Stefan Blüher

Soziologe und Gerontologe und Mitglied der Institutsleitung am Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité.

PD Dr. rer. medic. Susanne Schnitzer

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité